Kleine Biogasanlagen in die Spur bringen

Kleine Biogasanlagen in die Spur bringen

Betreiber von Biogasanlagen haben derzeit in Österreich einen schweren Stand. Zum einen sehen sie sich einer fallenden Akzeptanz in der Bevölkerung gegenüber. Außerdem haben die meisten Betreiber massive wirtschaftliche Probleme. Das liegt vor allem an, seit ihrer Einführung 2002 gesunkenen Ökostromtarifen, an den gleichzeitig gestiegenen Rohstoffkosten, als auch an den immer höheren gesetzlichen sowie technischen Anforderungen. Die besten ökonomischen Rahmenbedingungen boten in der Vergangenheit große Biogasanlagen. Deshalb sind viele 500 kWel-Biogasanlagen entstanden. Aus heutiger Sicht muss man feststellen, dass auch die konservativsten Annahmen die dramatische Veränderung der Rohstoffpreisentwicklung und der Strompreise nicht ansatzweise hätte erahnen können.

Inzwischen sind viele Biogasanlagenbetreiber in arge Turbulenzen geraten und viele haben bereits Insolvenz angemeldet. Auch eine vollständige Wärmenutzung oder die Umstellung auf Biomethanproduktion verbessern die wirtschaftliche Situation kaum. Dennoch gibt es aus meiner Sicht für Biogas eine Option für die Zukunft. Warum sollte nicht jeder landwirtschaftliche Betrieb eine Kleinstbiogasanlage zur primären Eigenenergieversorgung (elektrische Energie und Wärme) betreiben? Damit könnte auch eine große Menge Biogas erzeugt und fossile Energieträger verdrängt werden.

Durch die sogenannten Hofbiogasanlagen könnte eine sehr große Anzahl an Biogasanlagen realisiert werden. Gleichzeitig würde sich der großflächige Anbau von Energiepflanzen quasi automatisch einstellen. Das Image von Biogasanlagen würde wieder steigen – nach dem Motto „Landwirte versorgen sich selbst mit eigener grüner Energie“.

Damit diese Version Wirklichkeit wird, müssen sich allerdings einige Dinge verändern. Dazu gehört, dass sich die spezifischen Investitionskosten drastisch reduziert werden müssen. Als Zielwert sollten 2000 €/kWel angestrebt werden. Weiters müssen funktionierende Konzepte für Kleinst-Biogasanlagen mit 10 bis 30 kWel entwickelt werden. Für diese eignet sich vor allem Gülle hervorragend zur Biogasproduktion. Zudem muss sich die Genehmigung von diesen Anlagen weg von einer aufwendigen Einzelgenehmigung hin zu einer Typengenehmigung verändern. Und nicht zuletzt muss die Wirtschaftlichkeit solcher Biogasanlagen auch ohne geförderte Einspeisetarife (Ökostrom oder Biomethan) erreichbar sein.

Bis es soweit ist, ist die Wirtschaft gefordert, umsetzbare und kostengünstige Anlagenkonzepte zu entwickeln. Die Genehmigungsbehörde muss angepasste Genehmigungsverfahren ermöglichen und die Politik muss für eine bestimmte Anlaufzeit Fördergelder für die Entwicklung und Verbesserung dieser Anlagenkonzepte bereitstellen.

Ing. Karl Puchas, MSc.

 

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