Elektromobilität – Fluch oder Segen

Elektromobilität – Fluch oder Segen

Inspiriert durch zahlreiche Diskussionen und Besuche verschiedener Veranstaltungen schreibe ich diesen Beitrag. Eines vorweg: Ich bin seit vielen Jahren ein „brennender“ und begeisterter Elektroautofahrer.

Fragen, die mich Menschen mit denen ich gesprochen habe, immer wieder stellen sind: Wie umweltverträglich ist das Elektroauto tatsächlich? Weiters besteht Skepsis darin, dass die elektrische Energie für das E-Auto aus Atomstrom und/oder Kohlekraftwerken stammt und die Produktion der Batterien durch den Abbau von Lithium ganze Regionen nachhaltig schädigt.

Meine Gegenfrage lautet: Was ist die Alternative zur Elektromobilität? Wie groß ist der ökologische Fußabdruck von E-Autos und Benzin/Dieselautos? Wenn ich schon skeptisch gegenüber Elektromobilität bin, sind Benzin – und Dieselautos sooo viel umweltverträglicher als Elektroautos?

Aus einer veröffentlichten Studie des Umweltbundesamtes „Ökobilanz alternativer Antriebe – Elektrofahrzeuge im Vergleich“ (2014) geht hervor, dass reine Elektrofahrzeuge hinsichtlich einer gesamtheitlichen Ökobilanz am besten abschneiden. Dabei wurden die Umweltaspekte über alle Phasen seines Lebenszyklus evaluiert und die Umweltwirkungen während der Produktion, der Nutzungsphase und der Entsorgung des Produktes sowie die damit verbundenen vor- und nachgeschalteten Prozesse (z.B. Herstellung der Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe) berücksichtigt.

Klar ist: Ja, die Produktion der Batterien ist umweltbelastend. Doch, die Gewinnung von Erdöl ist auch alles andere als umweltschonend. Alleine nur den Energieverbrauch für das Fahren betrachtet, verbraucht ein E-Fahrzeug nur rund 1/3 der Energie im Vergleich zu einem Verbrenner (Benzin/Diesel). Würden somit alle PKWs nur noch elektrisch fahren, würde sich der Energieverbrauch für den motorisierten Individualverkehr um 2/3 (!!) reduzieren. Der Endenergieverbrauch für Verkehr beträgt in Österreich derzeit rund 36% des gesamten Energieverbrauchs. Elektrische Energie können wir in Österreich durch Wasserkraft, Windenergie, Photovoltaik, Biogas, Biomasse, etc. selbst erzeugen. Dabei taucht dann die nächste Frage auf. Können wir in Österreich den elektrischen Strom für einen massiven Ausbau der Elektromobilität überhaupt herstellen? Wenn alle PKWs in Österreich nur noch elektrisch fahren, würde sich der Strombedarf in Österreich lediglich um 15-20 % erhöhen. Diesen Mehrbedarf könnten wir problemlos mit Wind- und Sonnenenergie produzieren. Erdöl (Benzin/Diesel) werden wir immer aus dem fernen Ausland importieren müssen!

Klar ist aber auch, dass Elektromobilität per se nicht unser Klimaproblem lösen wird. Dazu ist ein ganzheitliches Umdenken in unserem Tun erforderlich. Wenn wir auch noch so effiziente Technologien einsetzen, müssen wir auch unseren Bedarf effizienter gestalten. Ein Beispiel gefällig? Wenn ich einen neuen effizienten Fernsehapparat kaufe, welcher nur noch 50% der Energie benötigt wie der alte, gleichzeitig aber doppelt so lange fernsehe, wird der Energieverbrauch gleichbleiben. Oder: Alle Glühbirnen im Haus auf LED austauschen, im Gegenzug aber das Licht nicht mehr ausschalten – weil die Beleuchtung ist eh so effizient- bringt am Ende des Tages keine Energieeinsparung. In der Fachsprache spricht man vom „Rebound-Effekt“. Gleich verhält es sich beim Elektroauto. Wenn ich durch das Nutzen eines Elektroautos statt 10.000 Kilometer im Jahr nun 20.000 Kilometer fahre, weil ich ruhigen Gewissens eh umweltfreundlich unterwegs bin, löst das nicht unser Klimaproblem.

Wir sehen also, nicht die Technologie ist das Problem, sondern unser Verhalten!

Unabhängig vom ökologischen Fußabdruck (wie oben angeführt) entscheidet unser Nutzerverhalten, ob die Technologie einen wesentlichen Beitrag zum Klimaschutz leistet oder nicht. Wie bereits erwähnt benötigt ein Elektromotor lediglich 1/3 der Energie im Vergleich zu einem Verbrennungsmotor. Wenn noch dazu der elektrische Strom für die Ladung des Fahrzeuges aus erneuerbarer Energie bereitgestellt wird, entsteht nochmals ein deutlicher ökologischer Vorteil für Elektromobilität.

Findet die Produktion der Batterien auch überwiegend mit erneuerbarer Prozessenergie statt, kann der ökologische Nachteil der Batterieherstellung auch noch weiter reduziert werden.

An dieser Stelle sei auch noch ein Ausblick in die Zukunft erwähnt. Zahlreiche internationale Forschungsaktivitäten beschäftigen sich sehr erfolgreich mit der Effizienzsteigerung bei Batterien. Aktuell verdoppelt sich die Energiedichte der Batterien etwa alle 3 Jahre, bei gleichem Ressourcenbedarf. Im gleichen Ausmaß reduziert sich auch das Gewicht der Batterie. Darüber hinaus arbeiten Forscher weltweit an der Entwicklung von Batterien, welche in Zukunft ohne Lithium oder anderer problematischer Rohstoffe auskommen.

Andererseits ist auch klar: Die umweltfreundlichste Fortbewegungsart ist das zu Fuß gehen oder Fahrradfahren. Vor allem die kurzen Strecken sollten wir ausschließlich per Pedes oder mit dem Fahrrad zurücklegen. Die Nutzung Öffentlicher Verkehrsmittel bleibt für größere Wegstrecken unumstritten die bessere Alternative zum motorisierten Individualverkehr (MIV), egal ob mit Elektroauto oder Benzin- und Diesel – PKW.

Zusammenfassend: Ob eine Antriebstechnologie umweltverträglich ist oder nicht entscheidet per se nicht die Technologie oder der Energieträger alleine, sondern zum überwiegenden Teil unser Nutzerverhalten.

Herzlichst

Karl Puchas