PV-Anlage oder thermische Solaranlage?

PV-Anlage oder thermische Solaranlage?

Immer öfter werden wir von unseren Beratungskunden gefragt, ob es gescheiter ist eine PV-Anlage auf dem Dach zu montieren oder eine thermische Solaranlage.

Unsere Antwort lautet: Beides: „PV-Anlage und thermische Solaranlage“.

Besser sollte die Frage lauten: „Was ist die optimale Größe der PV-Anlage und wie groß soll die thermische Solaranlage sein?“.

Beide Systeme haben unterschiedliche Vor- und Nachteile und sind deshalb auch für unterschiedliche Anwendungen geeignet. Eine PV-Anlage produziert elektrische Energie, eine thermische Solaranlage hingegen produziert warmes Wasser, welches zur Brauchwasserbereitung und (eventuell) zur Heizungsunterstützung eingesetzt werden kann.

In den meisten Wohnhäusern und Wohnungen ist der Wärmebedarf ca. 4 – 5 mal höher als der Strombedarf. Das heißt es wird mehr warmes Wasser (für Heizung und Brauchwasser) als elektrischer Strom benötigt.

Auf jedem privaten Wohnhaus sollte sowohl eine Solaranlage zur Warmwasserbereitung (benötigt eine Fläche von ca. 6 m²) und eine eigenverbrauchsoptimierte PV-Anlage mit z.B. 2,5 kWp (benötigt eine Fläche von ca. 17 m²) Platz finden. Eine Solaranlage benötigt weniger Platz als eine PV-Anlage!

Um beispielsweise einen 300 Liter Warmwasserspeicher um 30 °C zu erwärmen benötigt eine 5 kWp PV-Anlage (35 m²) an einem heißen Sommertag 2 ½ bis 3 Stunden, eine 2,5 kWp PV-Anlage (18 m²) entsprechend 5 bis 6 Stunden. Eine thermische Solaranlage mit lediglich 6 m² benötigt dafür ebenfalls 2 ½ bis 3 Stunden.

Pro erzeugter Energie (kWh) ist die thermische Solaranlage auch kostengünstiger als eine PV-Anlage. Eine 5 kWp PV-Anlage kostet rund € 11.000, eine vergleichbare thermische Solaranlage (6 m²) kostet rund € 4.000.

Oft wird dahingehend argumentiert, dass mit der überschüssigen Strommenge der PV-Anlage der Warmwasserboiler bedient wird. Hier gilt es vielmehr zu überlegen, die PV-Anlagen so zu dimensionieren, dass kaum Überschuss produziert wird (das heißt im Normalfall kleiner dimensionieren oder kostspielige Akkus einzusetzen). Kleine PV-Anlagen, deren Überschussstrom zur Warmwasseraufbereitung genutzt werden soll, bewirken bei fehlendem Überschussstrom eine herkömmliche Warmwasseraufbereitung (E-Boiler) mit elektrischer Energie aus dem öffentlichen Netz. Oft steht in der Praxis zum gewünschten Zeitpunkt nicht genügend überschüssiger Strom aus der PV-Anlage zur Verfügung. Dann würde die PV-Anlage nur noch als wenig ertragreiche Zusatzenergie eingesetzt. Das widerspricht aber dem Prinzip der erneuerbaren Warmwasserbereitung mit eigenen verfügbaren Ressourcen.

Ist man bestrebt auch das Warmwasser zuverlässig mittels PV-Anlagen zu produzieren, müsste die PV-Anlage sehr stark überdimensioniert werden was wiederum mit sehr hohen Kosten und noch mehr Überschussstrom verbunden ist.

Zusammengefasst nochmals einige Vorteile thermischer Solaranlagen:

  • Mit einer thermischen Solaranlage kann man heizen, ohne in Brennstoffe investieren zu müssen (die Sonne schickt keine Rechnung). Somit ist man unabhängig gegenüber Preisentwicklungen (Öl, Pellets etc.);
  • Der jährliche Energieertrag von solarthermischen Anlagen ist um den Faktor 3 besser als vergleichsweise bei PV Anlagen (der Wirkungsgrad von thermischen Solaranlagen liegt bei 70 bis 85 %);
  • Thermische Solaranlagen verfügen über eine lange Lebensdauer, ohne nennenswerte Ertragseinbußen;
  • In Kombination mit Pufferspeichern kann man Energie auch über mehrere Tage (Wochenspeicher) speichern und bei Bedarf für Warmwasser und Raumwärme abgeben. PV-Anlagen können die elektrische Energie nur mittels spezieller Akkus (derzeit noch sehr teuer) speichern;
  • Eine Solaranlage lohnt sich für jeden Haushalt, selbst wenn untertags niemand zu Hause ist. Wärme wird im Puffer gespeichert, für PV-Strom sind Speicherlösungen (derzeit noch sehr teuer) erforderlich;
  • Spezielle Sonnenhäuser (thermische Solaranlage und Pufferspeicher) können bis zu 75% des jährlichen Energiebedarfes für Raumwärme und Warmwasser (in Einfamilienhäusern) abdecken;
  • Für thermische Solaranlagen bestehen mehrere Fördermöglichkeiten von Seiten des Landes, des Bundes und der Gemeinden (Direktförderung, Sanierungsförderung, Sanierungsscheck, etc.);
  • Die Nutzung der Sonnenenergie liefert kostenlose Energie – ein Leben lang;

2 Gedanken zu “PV-Anlage oder thermische Solaranlage?

  1. Guten Tag
    Ich wurde soeben beraten, KEINE thermische Anlage sondern nur eine PV-Anlage mit einem Akku zu installieren und das Brauchwasser damit zu erstellen.
    Grund: Überschüssige Wärmeenergie im Sommer bei der thermischen Anlage sowie teurer.
    Ihr Artikel ist aus dem Jahr 2014 – sind Sie immer noch dieser Meinung oder gibt es dazu neue Erkenntnisse aufgrund der technischen Weiterentwicklung?
    Danke und freundliche Grüsse

  2. Hallo Nico!
    Ohne genaue Kenntnisse Ihres Objektes und Wärmeverteilsystems ist eine pauschale Aussage darüber ob eine thermische Solaranlage nicht errichtet werden sollte nicht zu treffen. Ich gebe auch zu bedenken, dass die Gestehungskosten für Brauchwasser aus einer PV-Anlage zumindest 10 Cent pro kWh betragen und dies über den meisten konventionellen Energieträgen liegt. Auch der Einbau eines elektrischen Energiespeichers ändert nichts an dieser Situation.
    Für eine detaillierte Beratung bitte direkt Kontakt aufnehmen unter 03152 8575 508 oder niederl@lea.at.
    Lg Alois Niederl

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