Elektroauto – Fluch oder Segen Teil 2

Elektroauto – Fluch oder Segen Teil 2

Blogartikel Karl Puchas Nov. 2021

Bereits 2020 haben wir das Thema „Elektroauto – Fluch oder Segen“ aufgearbeitet. Nun sehen wir uns an, was sich in der Zwischenzeit verändert hat und welche aktuellen Meinungen es dazu gibt.

Die Elektromobilität hat in den vergangenen Jahren für eine kleine Revolution auf dem Automarkt gesorgt. Immer mehr Elektro- und Hybridfahrzeuge tummeln sich auf den heimischen Straßen. Im August 2021 betrug der Neuzulassungs-Anteil bei Elektro-Fahrzeugen 18 %, jener bei Hybrid-Modellen 24 % (APA, 09.09.2021). Die großen Fahrzeughersteller weltweit haben den Trend längst erkannt und bringen laufend neue Modelle auf den Markt. Manche haben auch bereits den kompletten Ausstieg aus dem Segment der Verbrennungsmotoren angekündigt. Ist damit die Energiewende jetzt sprichwörtlich im Rollen und lassen sich so die Klimaziele in Österreich erreichen?

Das gute Elektroauto? Die Größe und der (Energie)-Mix machen´s aus!

In einer aktuellen Studie des Umweltbundesamtes (2021) wird die Ökobilanz von PKWs mit alternativen Antriebskonzepten hinsichtlich CO2-Redkutionspotential und Energieeinsparung bewertet. Hierbei kommt man zum Schluss, dass durch Elektrofahrzeuge der größte Sprung hin zur Erreichung der Klimaziele gemacht werden kann: Pro gefahrenem Kilometer spart man im Vergleich zu Verbrennern im Durchschnitt mehr als 75 % der Emissionen ein. Emissionen bei der Herstellung Entsorgung sind hier bereits berücksichtigt! Hybridfahrzeuge steigen in der Ökobilanz hingegen schlechter aus: Die Bilanz hier ist nur um rund 10 % besser als jene von fossil angetriebenen Fahrzeugen.

Die Herstellung der Akkus von Elektrofahrzeugen verbraucht bekanntlich eine Menge Energie. Dennoch lassen sich hier auf Sicht auch Emissionen einsparen: Einerseits verursachen E-Autos im Betrieb keine Emissionen. Andererseits spielt auch die Größe des Autos und die Akku-Kapazität eine gewichtige Rolle. Für viele Anwendungen im Alltag reichen leichtgewichtige Fahrzeuge mit nicht allzu großer Akku-Kapazität völlig aus. Dadurch lassen sich wiederum Emissionen bereits im Vorfeld bei der Herstellung einsparen. Denn insgesamt verursacht die Produktion eines E-Kleinwagens nur halb so viel Schadstoffausstoß wie jene eines Fahrzeuges der Ober- oder Luxusklasse. Als problematisch anzusehen ist auch die Gewinnung von Lithium und Kobalt, wichtige Grundstoffe der Akkus. Hier wird bereits versucht, Kobalt in E-Auto-Akkus durch andere Bestandteile zu ersetzen. Außerdem ist es hier notwendig Verbesserungen durch strengere Standards bei den Lieferverträgen zu schaffen, werden beide Grundstoffe doch auch für Handy- und Laptopakkus, sowie in großer Menge für die Glas- und Keramikproduktion gebraucht.

Ein wesentlicher Faktor bei den Emissionen ist die Wahl des Energiemixes: Wird nämlich ausschließlich Strom aus erneuerbaren Energieträgern eingesetzt (z.B. aus der eigenen PV-Anlage), so gleichen sich die Emissionen aus der Herstellung der Elektroantriebe bei kleinerem Akku (50kWh) bereits nach rund 20.000 Kilometern aus. Mittels eines Berechnungstools – „Life Cycle Analyse“ entwickelt vom Joanneum Research – lassen sich die Emissionen über die gesamte Fahrzeug-Lebensdauer anzeigen.

Was bringt die Zukunft?

Ein Knackpunkt wird in den kommenden Jahren die Errichtung der für E-Autos benötigten Ladeinfrastruktur sein: Mit den steigenden Zulassungszahlen kommen nämlich naturgemäß mehr Autos auf einen Ladepunkt, hier heißt es vorausschauend zu planen und auszubauen. Die Gefahr, dass uns allen „das Licht ausgeht, wenn alle elektrisch fahren“, ist laut aktueller Studie der E-Control hingegen gering. Was die Lithium-Akkus der Elektroautos betrifft ist festzuhalten, dass man bei rund 1.000 Ladzyklen und einer Laufleistung von rund 300.000 km ausgehen kann. Der (kostengünstige) Austausch einzelner Module ist teilweise schon heute möglich und wird in Zukunft Standard sein. Second-Life-Anwendungen als Stromspeicher für Zuhause und Recycling sind noch nicht weit verbreitet, werden mit zunehmender Anzahl an entsprechenden Akkus jedoch ein Thema werden.

Elektroauto Fluch oder Segen?
Elektroauto Fluch oder Segen?

Muss es immer das Auto sein?

Wie der Verkehrsclub Österreich (VCÖ) in einer Analyse festgehalten hat, ist Österreich ein Land er kurzen Wege – und der kurzen Autofahrten. 52 Prozent der Alltagswege sind kürzer als fünf Kilometer, aber nur 24 Prozent der Alltagswege wird mit dem Fahrrad oder zu Fuß erledigt. Was im Ballungszentrum dank immer besser ausgebauter Öffis und Rad-Infrastruktur gut zu bewältigen ist, nämlich das (E-)Auto stehen zu lassen, lässt sich auf dem Land schon nicht mehr so einfach bewerkstelligen, auch wenn hier mit dem S-Bahn-Takt, der Regio-Bus-Linien und dem teilweisen Ausbau von Rad-Infrastruktur bereits einiges im Entstehen ist. Das kürzlich eingeführte Klimaticket bietet vom monetären Aspekt her einen massiven Anreiz zum Umstieg auf die Öffentlichen Verkehrsmittel. Glücklich kann sich schätzen, wer hierbei gute Verbindungen samt akzeptabler Taktung vor der Haustüre vorfindet.

Unterm Strich

Wenn schon Auto, dann elektrisch. Bezieht man sich nur auf den motorisierten Individualverkehr, so sind Elektrofahrzeuge derzeit die beste und klimaschonendste Option. Wichtig sind hierbei der Energiemix und die Fahrzeuggröße. Dennoch ist klar: Die umweltfreundlichsten Fortbewegungsarten sind das Zufußgehen und das Fahrradfahren. Auch die Nutzung Öffentlicher Verkehrsmittel bleibt bei längeren Wegstrecken unumstritten die bessere Alternative zum motorisierten Individualverkehr (MIV), egal ob Elektro-, Hybrid-, Benzin- oder Diesel-PKW.

Herzlichst Karl Puchas, Matthäus Trummer

 

–> Zur aktuellen Studie des Umweltbundesamtes „Die Ökobilanz von Personenkraftwagen“ geht es hier!

 

Quellen:

public gemeindemagazin, 2021

auto touring Magazin, Ausgabe 11/2021, S. 14

https://www.derstandard.at/story/2000129524810/e-autos-und-hybride-ueberholten-im-august-erstmals-verbrenner

https://www.vcoe.at/presse/presseaussendungen/detail/klimastrategie-radfahren